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Chemnitz hat wieder mehr Einwohner?

Diese Woche absolute Topmeldung in den Chemnitzer Medien: “Insgesamt lebten Ende letzten Jahres 241.000 Menschen in unserer Stadt. Das sind 900 mehr als 2011. Wie das Rathaus mitteilte, sind mehr Menschen nach Chemnitz gezogen, als der Stadt den Rücken gekehrt haben. Ein Teil des Zuwachses ist auf den gestiegenen Anteil ausländischer Studenten zurückzuführen.” Es ist eine tolle Zahl, mehr Menschen kommen in die Stadt. Wäre da nicht der statistische Quartalsbericht III/2012 der Stadt Leipzig welcher an anderer Stelle einen Bericht veröffentlicht, der detailliert darstellt, dass die positive Entwicklung der Einwohnerzahlen von Chemnitz doch extrem von der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber verfälscht wird: PDF Link (ab Seite 8). Damit bestätigen sich die Vermutungen. Eine reale Beurteilung der Chemnitzer Einwohnerzahlen kann man also vergessen, weil dieses wichtige Detail von der Stadt trotz offensichtlich vorhandener Daten in den Veröffentlichungen nicht mit angegeben wird. Es macht sich auch besser, über die vielen Zuzüge zu jubeln, als ehrlich zuzugeben, dass die meisten Menschen gar nicht bewusst nach Chemnitz gekommen sind. Auch ohne die Wanderungsbewegungen der Asylbewerber verbleibt zwar ein Wanderungsüberschuss (Siehe Auszug unten), wie groß dieser ist, wird aber auch da nicht erwähnt.

“Der bemerkenswert positive Auslands- wanderungssaldo der Stadt Chemnitz bedarf einer Erklärung. In Chemnitz befindet sich die sächsi- sche Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (2011 waren es 2128). Demzufolge kommt der Großteil der Auslandswanderungen aus den derzeit typischen Herkunftsländern von Asyl- bewerbern: Serbien (Zuzug 180, Saldo 150), Tunesien (439, 363), Libyen (201, 150), Pakistan (288, 284), Afghanistan (171, 155), Libanon (143, 121), Länder, die bei den Auslandszuwanderungen für Dresden und Leipzig keine Rolle spielen. Eine Sonderrolle nehmen die Russische Föderation und Indien ein. Die Chemnitzer Zahlen lassen auch hier Asylbewerber vermuten, die Dresdener und Leipziger Zahlen allerdings auch andere Wanderungsgründe. Von Chemnitz aus werden die Asylbewerber auf alle sächsischen Kreise verteilt, sodass ein Teil des Wanderungsverlustes von Chemnitz gegenüber den anderen sächsischen Kreisen darauf zurückzuführen ist. Die administrativ bedingten Wanderungen sind bei nachfolgenden Wanderungszahlen zu beachten.” (Auszug)

Längerfristig spielt die Erstaufnahmestelle zwar keine große Rolle in so einer Statistik, weil die Asylbewerber_innen – bis auf die relativ wenigen, die der Stadt Chemnitz zugeteilt werden – nach spätestens drei Monaten auf die einzelnen Unterkünfte der anderen Städte und Landkreise verteilt werden und damit auch wieder bei den Wegzügen erscheinen. Nur im Moment eben hat es sich durch die sprunghaft angestiegene Zahl der Asylbewerber_innen zum Jahresende 2012 tatsächlich einen größeren Einfluss auf die Statistik, welche so aber auch verfälscht wird.


Foto oben: Google Earth

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